Samstag, 23. April 2022

Welttag des Buches

Zum heutigen "Welttag des Buches "habe ich Alu vom Elternblog "www.grossekoepfe.de" ein Interview zum ersten Band meiner neuen Ruby-Reihe gegeben. Schaut doch mal bei ihrem spannenden Blog vorbei. Sie hat das Buch rezensiert. 





Hier das Interview:

Ruby ist nicht dein erstes Buch über Mädchen in der Frühpubertät, wieso liegt dir diese Gruppe Heranwachsender so besonders am Herzen?

 

Das Alter zwischen elf und dreizehn finde ich besonders spannend. Man ist noch Kind und eng mit dem Elternhaus verwurzelt, orientiert sich aber auch schon an der Peergroup. Ich kann mich noch sehr gut an diese Phase erinnern. Ich habe damals mit dem Tagebuchschreiben begonnen und bin erstmals auf die Idee gekommen, Schriftstellerin zu werden. Für mich ist es sehr wichtig, die Heranwachsenden mit fluffig leichten Storys „abzuholen“. Meine Bücher sollen zum einen Lust aufs Lesen machen, zum anderen möchte ich wichtige Werte wie z.B. Solidarität, Empathie, Loyalität und Toleranz vermitteln. Wenn ein Kind durch meine Bücher zur Leseratte wird, ist es für mich das schönste Kompliment. 

 

Ruby lebt nicht nur mit getrennten Eltern, sondern auch in recht modernen Konstellationen. Vom Mehrgenerationenhaus bis zum homosexuellen Paar als quasi Patenonkel ist alles dabei, wie bist du darauf gekommen sie genau in solch einer Konstellation zu verorten?


Die Lebenswirklichkeit der Kinder ist heute eine andere als in meiner Kindheit. Scheidungskinder gab es damals kaum, „uneheliche“ Kinder wurden schief angeguckt. Beim Thema „Pendelkind“ war es naheliegend, moderne Familienkonstellationen zu entwickeln. Auf die Idee mit der WG bin ich durch eine Freundin gekommen, deren Tochter zwischen ihren beiden Familien pendelt. Anders als der Popstar, der in Band eins ins Blumenzimmer einzieht, war das homosexuelle Paar sofort in meinem Kopf. Die beiden haben sich quasi in die Geschichte gedrängt. 
 In Grün-Berlin wohnt Ruby mit ihrer Mutter und den Großeltern zusammen – der ruhige Gegenpol zum turbulenten WG-Leben in Friedrichshain. 

 

 

Im Buch wird von Grün-Berlin und Bunt-Berlin gesprochen. Wir Berliner nennen das Kieze  : ) was macht für dich den Reiz der Kieze aus?

 

Das Wort „Kiez“ taucht im ersten Ruby-Band tatsächlich nur einmal auf. Ich habe den Ausdruck bewusst vermieden, weil man ihn außerhalb von Berlin vermutlich nicht kennt. (Außer in Hamburg, aber da ist mit „Kiez“ der Stadtteil St. Pauli gemeint.) Deshalb habe ich mir zusammen mit meiner wunderbaren Lektorin Susanne Schürmann die Begriffe Grün- und Bunt-Berlin ausgedacht. Früher war Berlin für mich nur die pulsierende Metropole. Dass es auch beschauliche, fast dörfliche Ecken gibt, habe ich erst im Laufe der Zeit entdeckt. Genau diese Unterschiedlichkeit der Kieze macht für mich den Reiz der Stadt aus.

 

 

Dein erster Ruby Band beschäftigt sich verstärkt mit dem Themen Umbruch und auch Freundschaften, warum sind Rubys Freunde so wichtig für sie und was macht sie aus?

 

Freundschaft ist ein Thema, das sich durch alle meine Bücher zieht. Freunde und Freundinnen spielen gerade in Zeiten des Umbruchs eine sehr wichtige Rolle. So wie Ruby ihre Freundinnen unterstützt, sind diese auch für sie da. Jede gewinnt durch die andere, man reibt sich aber auch aneinander, muss sich manchmal abgrenzen oder Stellung beziehen. Rubys Freundinnen bilden einen Querschnitt durch unsere moderne Gesellschaft: Da gibt es die toughe Kickboxerin Charlie, die kluge Azra, die selbstbewusst ein Kopftuch trägt, die mädchenhafte Linh, die vietnamesische Wurzeln hat und Astronomin werden will sowie die schüchterne Emily, die erst lernen muss, sich zu behaupten.

 

 

Wo lebst du eigentlich? In Grün- oder Bunt-Berlin?

 

Ich habe viele Jahre in Bunt-Berlin (Moabit und Mitte) gewohnt, jetzt lebe ich schon einige Jahre im beschaulichen Grün-Berlin. 

 

Die Geschichte von Ruby hat mich sehr an mich und meine Tochter erinnert, die ja selbst auch bloggt. Wie viel hat denn Ruby mit Dir und Deiner Familie gemeinsam?

 

Ruby und ich haben die gleiche Schuhgröße. Ansonsten ist die Figur fiktiv. 

 

Welche Orte kann man eigentlich genau erkennen, wenn man Ruby liest?

 

Ruby wohnt in Karlshorst im Spatzenstieg. Das ist eine Fantasie-Straße. Aber es gibt den Spatzensteig (siehe Foto), dort habe ich gedanklich das Haus der Großeltern verankert. Die WG in Bunt-Berlin befindet sich in Friedrichshain in der Simon-Dach-Straße. Das Haus mit der WG und das Café Sieben Törtchen sind allerdings frei erfunden. Ansonsten spielt Band eins in der Wuhlheide und am Boxhagener Platz.

 

Wir haben schon gesehen, dass es einen weiteren Ruby Band geben wird, wie schnell altert Ruby im Buch?

 

Ruby altert nur sehr langsam. In Band zwei und Band drei (ja, ein dritter Band ist schon in Planung) wird sie immer noch zwölf sein, um weiterhin eine Identifikationsfigur für die Altersgruppe ab zehn zu bleiben. Bei meiner 14-bändigen Mia-Reihe ist die Hauptfigur Mia innerhalb von 14 Jahren nur zwei Jahre älter geworden. Die hats gut! 

 

 



Montag, 14. März 2022

Ruby-Rezensionen

Vielen Dank an alle Gewinnerinnen der LovelyBooks-Leserunde und an die Carlsen-Bloggerinnen, die so wunderbare und ausgefeilte Rezensionen zu Band 1 meiner Ruby-Reihe geschrieben haben. Ich bin immer wieder positiv überrascht, mit wieviel Engagement ihr Kinderbücher lest und rezensiert. Hier ein besonders schönes Beispiel von CorniHolmes von "Die Bücherwelt von CorniHolmes". 


[Rezension] Ruby 1: Fünf Freundinnen, zwei Familien und jede Menge Chaos von Susanne Fülscher

Hardcover
 
Illustriert von Isabelle Metzen
Ab 10 Jahren
272 Seiten
ISBN: 978-3-551-65552-3 
Erschienen: 24.02.2022

Klappentext:

Ruby wohnt jeweils eine Woche bei ihrer Mutter am grünen Stadtrand, die darauffolgende Woche bei ihrem Vater in einer WG mitten in Bunt-Berlin. Sie liebt es, zwischen den beiden Lebenswelten hin und her zu pendeln. Vor allem, als ein Zimmer in der WG des Vaters neu vermietet wird und ein gefeierter Popstar einzieht ... 
Als dann auch noch ihre Mutter einen peinlichen Zeitungsartikel über Ruby schreibt, ist das Chaos perfekt. Zum Glück bequatschen die besten Freundinnen Ruby, sich mit einer Mail an die Zeitung zu wehren: „Wie es wirklich war“!

Quelle: Carlsen Verlag

Rezension:

Da ich die Bücher von der Susanne Fülscher wahnsinnig gerne mag und vor allem ihre Mia-Reihe sehr liebe, stand für mich sofort fest, dass ich den Auftakt ihrer neuen Kinderbuchserie für Leser*innen ab 10 Jahren unbedingt lesen möchte. Auf den ersten Ruby-Band war ich tierisch gespannt.

Seit sich Rubys Eltern voneinander getrennt haben, wohnt die 12-jährige jeweils eine Woche bei ihrer Mutter und ihren Großeltern am grünen Stadtrand von Berlin und die darauffolgende Woche bei ihrem Vater in einer coolen WG in Bunt-Berlin. Ruby liebt ihre beiden völlig verschiedenen Lebenswelten, auch wenn das ständige hin und her Pendeln manchmal ziemlich anstrengend sein kann. Als eines Tages ein neuer Mieter in die WG ihres Vaters einzieht, wird Rubys Welt komplett auf den Kopf gestellt. Bei dem neuen Mitbewohner handelt es sich um einen berühmten Popstar, der sich eine kleine Auszeit nehmen möchte und eigentlich soll sein Untertauchen in der WG soll streng geheim gehalten werden. Wie aber nicht anders zu erwarten, dringt es schließlich doch an die Öffentlichkeit und als wäre das alles nicht schon mehr als genug Trubel, schreibt Rubys Mutter dann auch noch einen peinlichen Zeitungsartikel über ihre Tochter. Das Chaos ist perfekt. Zum Glück ist Ruby mit ihren Problemen aber nicht auf sich alleine gestellt, sondern hat großartige beste Freundinnen hat, die immer für sie da sind. 

Wie oben bereits erwähnt, bin ich ein großer Fan der Mia-Serie. Von „Ruby“ hatte ich mir nun etwas Vergleichbares erhofft. Ob mir dieser Wunsch erfüllt wurde? Kann Ruby mit Mia mithalten? Um es kurz zu machen: Ja, kann sie! Mir zumindest hat der Start von Susanne Fülschers neuer Serie ein sehr ähnliches Leseerlebnis voller Glücksgefühle bescheren können wie die Mia-Bücher. Auch mit „Ruby“ schenkt uns die deutsche Autorin eine Mädchenbuchreihe mit absoluter Wohlfühlgarantie, die von Familie, Schule, Zusammenhalt und wundervollen Freundschaften handelt, uns in eine trubelige Großstadt mitnimmt und einen tollen Einblick in das Leben eines junges Teenagers gibt.

Ich hatte einen fabelhaften Einstieg in die Geschichte. Der locker-leichte, moderne Schreibstil von Susanne Fülscher konnte wie gewohnt auf Anhieb bei mir punkten und unsere sympathische und aufgeweckte Hauptprotagonistin Ruby, aus deren Sicht alles in der Ich-Perspektive geschildert wird, habe ich vom ersten Moment an in mein Herz geschlossen. Mit ihr hat die Autorin eine großartige Romanheldin erschaffen, die man als Leser*innen einfach sofort gernhaben muss und mit der sich die Zielgruppe garantiert prima identifizieren wird. Mir, als Erwachsene, ist es aber auch jederzeit mühelos geglückt, mich in unsere Ich-Erzählerin hineinversetzen. Rubys Denken und Fühlen wird einfach so schön echt und authentisch dargestellt, sie wirkt wie ein 12-jähriges Mädchen aus dem realen Leben. Das Ausarbeiten von wirklichkeitsnahen Charakteren ist in meinen Augen eine große Stärke von Susanne Fülscher, mit diesem Punkt kann sie mich jedes Mal aufs Neue begeistern. So also auch hier.

Nicht nur Ruby wurde überzeugend skizziert – auch die vielen weiteren Figuren wirken vollkommen glaubhaft und lebensnah und wachsen einem beim Lesen so richtig ans Herz. Sie sind zudem so schön vielfältig und frei von jeglichen Klischees gezeichnet, was ich total klasse fand. Ob mit Migrationshintergrund, homosexuell, ein Mädchen, das gerne Kickboxerin werden möchte sowie lauter verschiedene und bunte Familienkonstellationen - alles ist dabei.

Bunt: Dieses Wort beschreibt die Geschichte wahrlich perfekt. So ist vor allem Rubys Welt eine herrlich kunterbunte mit ihren zwei unterschiedlichen Wohnorten. Nicht nur, dass deren Viertel ziemliche Gegensätze ist (am Rand von Berlin vs. im Herzen der Stadt) – auch die Familien an sich sind sehr divers. Bei ihrer Mutter lebt Ruby in einem drei-Generationen-Haushalt, bei ihrem Vater in einer ungewöhnlichen, aber verdammt coolen WG mit einem schwulen Paar und einem ständig wechselnden weiteren Mieter. Ich fand es superinteressant und spannend, Ruby in ihre zwei ungleiche Leben zu begleiten, ihren jeweiligen Alltag dort kennenzulernen und dabei in den Genuss von ganz viel herrlichem Berlin-Feeling zu kommen. 

Meiner Meinung nach hat die Autorin die Thematik Trennung der Eltern hervorragend verpackt: Originell, altersgerecht und einfühlsam. Ruby ist natürlich sehr traurig darüber, dass ihre Eltern nicht mehr zusammenleben und vermisst ihr altes Zuhause. Gleichzeitig liebt sie aber auch ihr jetziges, ziemlich außergewöhnliches und aufregendes Leben mit all seinen Überraschungen und neuen Abenteuern und Begegnungen. 

Für mich kam beim Lesen an keiner Stelle Langeweile auf. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, habe die Geschehnisse ganz gebannt verfolgt und es zutiefst genossen Zeit mit Ruby, ihrer Familie und ihren Freundinnen zu verbringen. Die Freundschaftsmomente haben mir ganz besonders gut gefallen; ich fand es wunderschön mitzuerleben, wie die Mädchen zusammenhalten und immer füreinander da sind. Mir ist da ganz warm ums Herz geworden. 

Enden tut die Geschichte recht abgeschlossen, wir werden also zum Glück von einem fiesen Cliffhanger verschont, aber sofort zum nächsten Band greifen und weiterlesen möchte man natürlich dennoch. Ich jedenfalls fiebere dem Erscheinen der Fortsetzung, die bereits hinten im Buch angekündigt wird, schon jetzt ganz ungeduldig entgegen. 

Was dann auf gar keinen Fall unerwähnt bleiben darf, ist die zauberhafte Gestaltung des Buches. Isabelle Metzen hat die Geschichte mit vielen süßen kleinen schwarz-weiß Bildchen versehen, die die Handlung ideal begleiten, und das Cover ist in meinen Augen rundum gelungen. Es so fröhlich gelb und macht einfach nur richtig gute Laune.

Fazit: Turbulent, unterhaltsam, liebenswert und wunderbar bunt. Ein toller Reihenauftakt, der große Lust auf mehr macht!

Auf den ersten Band der neuen Reihe von Susanne Fülscher habe ich mich eindeutig zurecht so sehr gefreut: Ich bin hellauf begeistert von dem Buch. Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht, Zeit mit Ruby und den weiteren Charakteren zu verbringen und ich freue mich schon riesig auf mein Wiedersehen mit ihnen. Ich kann diesen bezaubernden Serienstart nur empfehlen, für mich war er ein echtes Wohlfühlbuch. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!
 
 







 

Vielen lieben Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Samstag, 4. Dezember 2021

Lesereise nach Chemnitz

Was ich den Sommer über getan habe? Geschrieben, geschrieben, geschrieben. Auf Sylt für meinen neuen Roman recherchiert. Wieder geschrieben. Nach Italien gereist. Es musste Bordighera sein. Das Hotel, in dem Limonensommer (Piper) spielt.  Meine erste Auslandsreise seit der Pandemie.

Und im November die Lesereise nach Chemnitz.  Auch das war seit Corona eine Premiere für mich, da in den vergangenen Monaten sämtliche Veranstaltungen ausgefallen sind. Im Rahmen des Projekts Lesen gegen Gewalt  (gefördert von den "Förderern der Stadtbibliothek Chemnitz") habe ich an drei Tagen vor rund 180 Kindern aus Ich will das nicht (Carlsen) gelesen. Das Thema sexualisierte Gewalt beschäftigt mich seit vielen Jahren. In einem meiner ersten Romane (Schattenmonster, Verlag Cornelia Riedel) geht es um sexuellen Missbrauch in der Familie, in #fingerweg (Carlsen) um eine Praktikantin, die von ihrem Chef belästigt wird. Auch ich habe als junge Frau häufig Grenzüberschreitungen erlebt; umso mehr ist es mir ein Anliegen, die Jugendlichen für das Thema zu sensibilisieren und sie zu ermutigen, sich zu wehren.

Chemnitz ist europäische Kulturhauptstadt 2025. Völlig zu Recht, finde ich. Man merkt schon jetzt, wie sich die Stadt mausert und herausgeputzt wird. 

 

Der Veranstaltungsaal in der Stadtbibliothek (tiez)





Das TIETZ war Anfang des 20. Jahrhunderts ein Warenhaus. 1945 wurde es nach einem Bombenangriff der Alliierten getroffen und brannte aus. Anfang der 1960er-Jahre wurde es rekonstruiert. 


Das Karl-Marx-Monument. Sehr imposant.


Das Chemnitzer Brühl Quartier. Hip und kreativ.





Die Universitätsbibliothek.





 







 


 

 

 


 




 

 

 

 

Samstag, 1. Mai 2021

Interview/leosuniversum

Die erfolgreiche Bloggerin Leonie von leosuniversum, Blogger-Held*in 2021 des Carlsen-Verlags, hat ein Interview mit mir geführt. Wenn ihr mögt, schaut doch mal auf ihrer Seite vorbei. Es lohnt sich!

https://leosuniversum.de


Interview mit Susanne Fülscher

Wer kennt sie nicht, die wunderschönen Kinderbücher wie die „Mia“-Reihe aus der Feder von Susanne Fülscher? Oder auch die Geschichten für Erstleser rund um die magische Babysitterin „Miss Elli“? Die Autorin schreibt aber auch sehr erfolgreiche und preisgekrönte Romane und Kurzgeschichten für Jugendliche und Erwachsene – und neuerdings auch unter einem Pseudonym.

Leo: Obwohl ich deine Bücher schon ganz lange kenne – ich bin ein ganz großer Fan der „Mia“-Reihe – haben wir uns leider noch nicht im realen Leben kennenlernen können. Glücklicherweise gibt es aber Instagram, sodass man auch zu Zeiten von Corona hervorragend miteinander kommunizieren kann. Es gibt da eine Frage, die ich mir tatsächlich schon oft gestellt habe: wie sieht das Social Media Leben eigentlich von der anderen Seite aus – aus Sicht der Autoren? Wir Buchblogger haben es da ziemlich einfach, wir haben ständig was zu berichten, denn irgendein Buch findet sich immer. Aber wie ist das bei Autoren? Ist das nicht schwierig regelmäßig was posten zu müssen? Auch in Zeiten, wo vielleicht nicht gar so viel los ist? Ich selbst weiß, dass das Leben mit Instagram ein Segen und Fluch zugleich ist, denn es macht auf der einen Seite sehr viel Spaß, aber es raubt einem auch sehr viel Zeit. Aber es gibt auch Tage, an denen einfach nichts passiert. Was berichten Autoren an solchen Tagen? Hast du dafür einen Notfallplan? Wie regelmäßig postest du?

Susanne: Du hast recht, Social Media, Leserunden sowieso das Aktualisieren der Website und der Profile auf anderen Literatur-Portalen – das sind alles Zeitfresser, man kann sich leicht verzetteln. Da ich fürs Schreiben Ruhe brauche, bin ich seit einiger Zeit fast nur noch auf Instagram unterwegs, dort dafür umso regelmäßiger. Abgesehen von meinen Büchern gibt es immer etwas zu posten. Naturaufnahmen, Stadtbilder oder Fotos von meinen Reisen, manchmal darf es sogar das Essen sein. Wenn mir zum Beispiel eine Pasta richtig gut gelungen ist. Das bedeutet keinen großen Aufwand und es macht mir Freude, ohne dass ich mich verbiegen oder in Szene setzen muss.

Leo: Ich habe mir deine Bibliographie angeschaut und war erstaunt. Da findet man eigentlich für jede Altersgruppe etwas: Kinder- und Jugendbücher, Romane für Erwachsene – ja sogar Drehbücher hast du geschrieben. Wie unterscheidet sich das Schreiben der jeweiligen Bücher? Und welches ist dein Lieblingsgenre?

Susanne: Ich liebe es, für verschiedene Altersklassen zu schreiben! Es ist zwar eine große Herausforderung, sich immer wieder neu einzufühlen, aber gerade das macht das Schreiben spannend. Mal darf ich Kind sein, mal 16, mal Mitte 40, mal 80, mal eine Frau, mal ein Mann – da habe ich Schauspieler*innen einiges voraus. Mein Lieblingsgenre ist der realistische Roman, der in der Gegenwart spielt. Ich schreibe unterhaltend, gern auch komisch, dabei bringe ich (ohne erhobenen Zeigefinger) gesellschaftlich relevante und ernste Themen zur Sprache (zum Beispiel Essstörungen, Umweltprobleme, Konsum, sexueller Missbrauch). In der „Miss Elli“- und der „Fritzi“-Reihe habe ich erstmals realistische Geschichten mit Fantasie-Elementen verwoben; das war eine ganz wunderbare Erfahrung. Möglich, dass da noch mehr von mir kommt. Das Schreiben von Romanen und Drehbüchern läuft ganz unterschiedlich ab. Während ich einen Roman allein konzipiere und mir nur den Rat meiner Lektorin hole, sind bei Drehbüchern (egal, ob für eine Serie oder einen Spielfilm) wesentlich mehr Leute beteiligt. Den Kinofilm „Zwischen uns die Mauer“ habe ich beispielsweise zusammen mit dem Regisseur und Produzenten sowie einer weiteren Autorin geschrieben. Da ist Teamarbeit gefragt, was ich sehr liebe. Beim „einsamen“ Romanschreiben vermisse ich das manchmal.

Leo: Ich war furchtbar traurig, als ich festgestellt habe, dass es mit dem 14. Band der „Mia“-Reihe keine weitere Fortsetzung mehr geben wird. Mia und vor allem ihre Omi Olga sind mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen. Ich verstehe aber auch, dass irgendwann nach so vielen erfolgreichen Jahren auch mal Schluss sein muss. Wie erging es dir beim Schreiben der letzten Zeilen?

Susanne: Ach, liebe Leo, ich war auch traurig! Mia konnte/kann ich ganz schwer loslassen, aber so viel ist sicher: Sie wird immer in meinem Herzen bleiben, inklusive Omi Olga, der dauerverliebten Jette und all den anderen Figuren. Die Illustratorin Dagmar Henze hat mir freundlicherweise ein paar Originalillustrationen geschenkt, die jetzt mein Arbeitszimmer schmücken. Zum Glück habe ich inzwischen eine neue Reihen-Figur entwickelt, die mir auch wieder große Freude bereitet.

Leo: Nun, da wir von Mia Hansen also nichts mehr zu lesen bekommen, vermute ich, dass da aber bestimmt ein neues Projekt in Planung ist. Kannst du bzw. darfst du mir da schon etwas erzählen?

Susanne: Wie das immer so ist, darf ich noch nichts ausplaudern. Nur so viel: Ich bleibe dem realistischen Erzählen treu und habe wieder eine weibliche Heldin erfunden. Sie ist zwölf und lebt in Berlin, allerdings ist der Ton der Geschichte ein wenig „älter“ als bei Mia, obgleich die Zielgruppe die gleiche ist. Die Familienkonstellation wird auch eine andere sein. Sobald ich mehr verraten darf, werde ich natürlich auf Instagram darüber berichten.

Leo: Wie sieht eigentlich dein typischer Arbeitstag aus? Hast du einen speziellen Arbeitsplatz – also ein Büro? Oder kannst du überall schreiben, wie beispielsweise in einem Café oder im Zug?

Susanne: Ich kann tatsächlich überall schreiben: auf Reisen, im Zug, im Café. Seit der Pandemie bin ich aber nur noch im Homeoffice. Ich habe einen sehr schönen Arbeitsplatz, eine Espressomaschine und im Sommer kann ich auch auf den Balkon oder meinen kleinen Garten ausweichen. Mein Arbeitsalltag ist recht strukturiert. Ich feile am Text vom Vortag, danach schreibe ich etwa fünf neue Seiten. Steht die Rohfassung, überarbeite ich den kompletten Roman mindestens dreimal, bevor er ins Lektorat geht.

Leo: Wie bist du zum Schreiben gekommen? Wie alt warst du, als dein erstes Buch verlegt wurde?

Susanne: Ich wollte schon seit meinem 12. Lebensjahr schreiben. Nach dem Abitur habe ich aber erst mal Germanistik und Romanistik auf Lehramt studiert, danach eine Journalistenschule in Hamburg besucht und eine Weile als Journalistin gearbeitet. Als mein erstes Buch verlegt wurde, war ich 30. Ein paar Jahre darauf habe ich das Drehbuchschreiben als Stipendiatin der „Drehbuchwerkstatt München“ erlernt.

Leo: Kannst du dich an dein erstes selbst gelesenes Buch erinnern? Wenn ja, welches Buch war es?

Susanne: Oh, das weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich aber noch sehr genau daran, wie stolz ich war, als ich eine ganze Seite geschafft hatte! Puh, das war so schwer. Mit Sicherheit gehörten die Astrid-Lindgren-Bücher zu meinen ersten Büchern. Außerdem „Die kleine Hexe“ und „Der kleine Wassermann“ von Otfried Preußler.

Leo: Welches Buch hast du als letztes gelesen und welches Buch liest du aktuell?

Susanne: „Hard Land“ von Benedict Wells war mein letztes Buch; jetzt habe ich mir „Damals“ von Siri Hustvedt von meinem SuB geschnappt.

Leo: Gibt es ein Buch, das vielleicht Spuren hinterlassen und dich beeindruckt oder gar bei deinen eigenen Werken beeinflusst hat?

Susanne: Ja, mit zwölf Jahren bekam ich „Harriet – Spionage aller Art“ von Louise Fitzhugh geschenkt. Das war der Moment, in dem ich wusste: Ich will schreiben! Wie Harriet habe ich alles Wichtige in meinem Spionageheft notiert, daneben Tagebuch geführt, Romananfänge und Gedichte geschrieben.

Leo: Ich vermute, dass Venedig zu deinen Lieblingsreisezielen gehört, denn in deinem neuen Jugendroman „Die Spur führt zu dir“, den du unter dem Pseudonym Amy Stern geschrieben hast, geht es um Ella und Fabio, die sich auf der Zugfahrt nach Venedig näherkommen, sich dann aber nach ihrer Ankunft prompt aus den Augen verlieren. Erzähl‘ mir doch was von Venedig. Ich war noch nie da, aber das will ich auf jeden Fall bald nachholen. Wo muss ich unbedingt als erstes hingehen, wenn ich in Venedig bin?

Susanne: Hach, Venedig! Wo soll ich anfangen? Wo aufhören? Venedig ist seit vielen Jahrzehnten meine Lieblings- oder besser "Herzensstadt". Als ich mit Anfang zwanzig zum ersten Mal dort war, habe ich mich schon beim Aussteigen aus dem Zug (ja, damals fuhr man noch stundenlang mit dem Nachtzug) schockverliebt. Wenn man aus dem Bahnhof tritt, taucht man nicht in eine üble Bahnhofsgegend ein, sondern erblickt den schilfgrünen Canal Grande mit seinen Palästen, Museen und Kirchen. Das ist ganz einmalig! Lass dich einfach durch die Gassen treiben, die Stadt ist klein, früher oder später kommst du sowieso zur Rialtobrücke oder zum Markusplatz. Den wirklichen Zauber der Stadt kann man in jedem noch so abgelegenen Winkel entdecken.

Den Rat werde ich befolgen. Denn nun, da ich „Die Spur führt zu dir“ gelesen habe, kann ich Susannes Liebe zu Venedig nachempfinden. Ich werde diese Traumstadt auf jeden Fall auf meine Bucket List setzen und dann bei einem Nugateis in Nicos Eisdiele an Susanne, an Amy Stern und an Ella & Fabio denken. 😉

 

Donnerstag, 29. April 2021

Venedig-Roman

Heute erscheint mein neuer Jugendroman Die Spur führt zu dir, den ich unter dem Pseudonym Amy Stern geschrieben habe. Seit ich als Studentin das erste Mal nach Venedig gereist bin, gehört die Stadt zu meinen Lieblingsorten. Ich schreibe nicht das erste Mal über Venedig und doch ist es immer etwas ganz Besonderes für mich, diesen magischen Ort literarisch zu verarbeiten. Den Roman habe ich im letzten Sommer verfasst. Wegen des Lockdowns konnte ich nicht vor Ort recherchieren, aber ich kenne die Lagunenstadt so gut, dass ich dort in Gedanken spazieren gehen kann.

Hier ein paar Impressionen:

 


 









Dienstag, 23. Februar 2021

Neuerscheinung Frühjahr 2021, Die Spur führt zu dir

Am 29.4. erscheint unter dem Pseudonym Amy Stern mein Venedig-Roman "Die Spur führt zu dir" bei Carlsen. Das Buch liegt mir sehr am Herzen, weil Venedig seit vielen Jahren meine Lieblingsstadt ist. Erstmals war ich dort Anfang der 1980er-Jahre als Studentin, meine Staatsexamensarbeit in Germanistik befasste sich mit dem Thema "Venedig in der Literatur um 1900" und seit ich mich als Zwanzigjährige in die Lagunenstadt verliebt habe, reise ich mindestens einmal im Jahr dorthin. Vorzugsweise im Winter. Das ging im letzten und auch in diesem Jahr nicht. Umso glücklicher war ich, zumindest in Gedanken durch die Stadt zu wandern, die Plätze, Gassen und Kanäle, die mir so vertraut sind, literarisch aufleben zu lassen.



Montag, 2. November 2020

Lovelybooks Leserpreis 2020





Heute startet der LovelyBooks-Leserpreis 2020 und ich bin mit vier Büchern nominiert. Ich freue mich sehr darüber! Vielen Dank an meine Leserinnen und Leser.

Wenn ihr für mich voten möchtet, schaut doch bitte bei LovelyBooks (https://www.lovelybooks.de/leserpreis/nominierungen/) vorbei. Diese vier Titel sind  nominiert: 

Limonensommer (Kategorie Liebesromane)

Mia und die Li-La-Liebe (Kategorie Kinderbücher)

Miss Elli und die verschwundene Uhr (Kategorie Kinderbücher)

Ich will das nicht (Kategorie Jugendbuch - Belletristik)

                                                                         

 
                            

                                                                  

 

 





Dienstag, 21. April 2020

10 Fragen an Susanne Fülscher

Unter Spreeautoren.de findet ihr ein kleines Interview mit mir.

Hier der Link:
http://www.spreeautoren.de/2020/04/20/10-fragen-an-unsere-spreeautorinnen-susanne-fuelscher/?fbclid=IwAR3Z3RFhaibQnO5_8j70Aig-bhKB02cBXCr5qYpdtH5SYqsQZCnb72v3cpc#more-2337

Dienstag, 10. März 2020


Unser Film "Zwischen uns die Mauer" (Kevin Lee Film, Norbert Lechner) hat auf dem Sedona International Filmfestival in Arizona den "Humanitarian Award" gewonnen. Was für eine schöne Nachricht!


Außerdem sind wir zum Buenos Aires International Filmfestival eingeladen; dort läuft der Film  im Wettbewerb.

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